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Jacopo Foroni - Eine erstaunliche Karriere

by Geerd Heinsen  

  Part of an article " Cristina, Regina di Svezia" by Geerd Heinsen from Newsletter 102, pages 6 & 7, written for the revival of Foroni's  Cristina, Regina di Svezia at the 2007 Vadstena Festival, Sweden.

 

Jacopo Foroni betrat schwedischen Boden 1849, als er mit einer italienischen Opemtruppe des Impresario Vincenzo Galli nach einem mäßig erfolgreichen Aufenthalt in Dänemark in Stockholm ankam. Er war auf der Flucht vor den österreichischen Behörden, die ihn wegen vaterlandsliebender Umtriebe in Italien verhaften wollten. Geboren wurde er im veronesischen Valeggio am 25. Juli 1825. Sein Vater Domenico galt als ein bedeutender Gesangslehrer und auch Komponist, seine Schwester Antonietta Foroni Conti war eine bekannte Sängerin (Mezzosopran). Der junge Jacopo absolvierte den Militärdienst (bei den Österreichern), studierte Jura und stand 1848 auf den Barrikaden gegen die Besatzer.  Seine musikalische Begabung war schon früh evident, und er studierte (wie so viele junge Kollegen) am Mailänder Konservatorium bei Mazzucato.    Sein   Genie   zeigte   sich   bereits   in   frühen Dirigierverpflichtungen in Holland, Belgien, Frankreich und Spanien. Auch seine kompositorische Begabung regte sich früh. 1848 brachte er mit beträchtlichem Erfolg seine erste Oper Marghenta am Teatro Regio in Mailand zur Aufführung. Jedoch brachte ihm die Teilnahme an dem Aufstand gegen die Besatzer die rettende Flucht ins Ausland ein - ein Angebot von Galli mündete in einem Vertrag zu der Tournee 1847 nach Dänemark als 2. Kapellmeister neben Paolo Spagni. Zur Truppe gehörten der Bariton Giovanni Casanova (der spätere Librettist der Cristina), Angelo Penco, Luigi Della Santa und der Tenor Ettore Caggiati. Man gab Lucia di Lammermoor, Beatrice di Tenda, Rossinis Barbiere, Verdis Ernani und die Lombardi.

Kopenhagen entpuppte sich als ein finanzielles Fiasko, also zog man weiter nach Stockholm, in das private Mindere Teateren (Kleine Theater). Das Opern-Niveau in Stockholm war damals beklagenswert, weshalb die Italiener auch wie eine Bombe einschlugen und für eine Zeit in die Königliche Oper übersiedelten, hier aber wegen der Bürokratie und des überalterten Apparates keinen wirklichen Erfolg hatten und wieder in das Kleine Theater zurückkehrten. Paolo Spagni hatte die Lust verloren und übergab die musikalische Leitung nun hauptamtlich an Foroni, der 1849 als Hommage an den schwedischen König Oscar I seine Oper Cristina, Regina di Svezia schrieb. Der dänische Dichter Hans Christian Andersen war bei der Premiere anwesend und schrieb begeistert darüber - es war ein großer gesellschaftlicher Erfolg, der die Zukunft Foronis in Schweden festzunte. Dieser blieb auch nach Abzug der Galli-Truppe in Stockholm, wurde Chefdirigent am Königlichen Theater, lernte nicht nur fließend Schwedisch, sondern auch die Weiblichkeit der Stockholmer Gesellschaft sehr nahe kennen. Man war beeindruckt von seiner eleganten Erscheinung, seinem rabenschwarzen Haar, seiner Bildung, seinem charmanten Wesen - kurz, er war der Beau der Stockholmer upper ten.

 Und er veränderte die musikalisch-kulturelle Landschaft Stockholms. In der Folge dirigierte er viele Konzerte, nachdem er die Leitung des Orchester von Johan Fredrik Berwald übernommen hatte, und öffnete das Repertoire auf erstaunliche Weise. Er brachte nicht nur die Standardwerke der Zeit, sondern führte Wagner mit dessen Tannhäuser-Ouvertüre ein, spielte Liszt und Mendelssohn (Elias), die Franzosen, Mozart und Weber.  1850 schrieb er eine Sinfonische Kantate, 1850 wurde auch seine Cristina am Teatro Grande in Triest aufgeführt (dafür nahm Foroni umfangreiche Änderungen vor). Eine weitere Oper,  I gladiatori für Turin, hatte Probleme mit der italienisch-österreichischen Zensur. Sein letztes Werk war eine heitere Oper, Advokaten Pathelin, die kurz vor seinem Tode (am 8. September 1858) aufgeführt wurde. Er selber starb an der Cholera, die er sich auf dem Kontinent zugezogen hatte.

In beiden Ländern, Italien wie Schweden, fiel er in Vergessenheit. 1878 gab es zu seinem zwanzigsten Todestag noch einmal eine Ehrung in Form der Aufführung seiner „Ouvertüre in E-Dur" unter allgemeinem Beifall im Pariser Trocadero anlässlich der Weltausstellung. Es gab dann in Uppsala eine Sammlung für einen Grabstein, ausgeführt durch den damaligen Stararchitekten Sholander, der noch heute auf dem Stockholmer Zentral-Friedhof nahe dem Krankenhaus Karolinska zu besichtigen ist. Und gelegentlich wird die besagte Ouvertüre noch in ausgesuchten Konzertprogrammen aufgeführt, so kürzlich in Stockholm. Das ist alles.

 

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